Marktöffnung 2027: der Zeitplan für Österreichs Online-Lizenzen
Österreich hat online nie eine private Lizenz vergeben. Am 29. Juni 2026 ging der Entwurf einer Novelle des Glücksspielgesetzes in Begutachtung — nach Einschätzung der beteiligten Verhandler die größte Reform des Gesetzes seit 26 Jahren. Diese Seite hält fest, welcher Schritt erreicht ist und welcher aussteht.
- Aktueller Schritt
- Begutachtung
- Seit
- 29.06.2026
- Cooling-off
- 01.01.2027
- Lizenzvergabe
- ab Okt. 2027
Der Zeitplan
Monopol
bis 2026
Online hält allein win2day eine österreichische Konzession. Alle anderen Anbieter arbeiten mit EU-Lizenzen.
Begutachtung
29.06.2026
Der Entwurf der GSpG-Novelle geht in Begutachtung — die größte Reform des Gesetzes seit 26 Jahren.
Beschluss
Herbst 2026
Der Beschluss im Nationalrat ist für den Herbst 2026 geplant. Ein Datum steht nicht fest.
Cooling-off
01.01.2027
Beginn der Übergangsphase für Anbieter, die bisher ohne österreichische Lizenz tätig waren.
Lizenzvergabe
ab Okt. 2027
Erste österreichische Online-Lizenzen, frühestens ab 1. Oktober 2027. Die Lotterienkonzession mit win2day endet am 30. September 2027.
Der Marker steht auf dem tatsächlich erreichten Schritt und wird bei jedem Rebuild neu gesetzt. Was rechts davon liegt, ist geplant, nicht beschlossen — diese Unterscheidung ist auf dieser Seite wichtiger als jede Prognose.
Die Ausgangslage: eine einzige Konzession
Nach dem Glücksspielgesetz existiert online genau eine Konzession, und die hält win2day, betrieben von den Österreichischen Lotterien. Für private Anbieter gibt es kein Verfahren, in dem sie eine heimische Erlaubnis beantragen könnten — nicht, weil Anträge abgelehnt würden, sondern weil es keinen Antrag gibt.
Daraus folgt die Lage, die den österreichischen Markt von jedem anderen EU-Markt unterscheidet: praktisch alle hier erreichbaren Casinos arbeiten mit einer Lizenz aus Malta, Curaçao oder Estland. Diese Lizenzen sind echt und werden von echten Behörden vergeben. Sie sind nur keine österreichischen — und genau daran setzt die heimische Rechtsprechung zur Rückforderung von Spielverlusten an.
Was der Entwurf ändert
Der Kern ist die Öffnung der Lizenzierung: künftig soll jeder Anbieter eine österreichische Lizenz erhalten können, der strenge Auflagen erfüllt. Eine feste Zahl neuer Lizenzen nennt der Entwurf nicht — es ist ein Systemwechsel, keine Aufstockung.
Drei weitere Bestimmungen gehen über die Lizenz selbst hinaus. Sie sind der Teil des Entwurfs, an dem sich für Spieler und Betreiber praktisch etwas ändert:
01 Zentrales Sperrregister über alle Spielformen
Geplant ist ein Register, das Spielbanken, Automaten und Online-Angebote gemeinsam abdeckt. Eine Sperre würde damit unabhängig davon wirken, bei welchem Anbieter und bei welcher Spielform sie eingerichtet wurde.
Heute gilt eine Selbstsperre jeweils nur beim einzelnen Anbieter — wer sie dort einrichtet, ist beim nächsten nicht gesperrt. Was derzeit an Werkzeugen zur Verfügung steht, steht unter verantwortungsvolles Spielen.
02 Mitwirkungspflichten im Zahlungsverkehr
Banken sollen Konten von Anbietern auf einer Schwarzen Liste des Finanzministeriums sperren; internationale Zahlungsdienstleister sollen diese Anbieter nicht mehr bedienen.
Damit hängt die Frage, welcher Zahlungsweg funktioniert, nicht mehr allein am Casino. Welche Verfahren davon strukturell mehr und welche weniger betroffen sind, steht unter Zahlungsmethoden.
03 Keine Lizenz bei offenen Ansprüchen aus dem Spielerschutz
Die in der Berichterstattung meist übersehene und für Betreiber härteste Bestimmung: wer offene Ansprüche aus dem Spielerschutz nicht beglichen hat, soll keine Lizenz erhalten. Gemeint sind die Rückforderungsverfahren, in denen Gerichte Spielern Verluste zugesprochen haben.
Sie greift auf Gesellschaftsebene und nicht auf Markenebene — ein Betreiber, der hier ausfällt, nimmt sein gesamtes Portfolio mit. Wer hinter welcher Marke steht, steht im Betreiberverzeichnis.
Der Zeitplan und seine Unsicherheiten
Begutachtung ist nicht Beschluss. Der Entwurf kann im parlamentarischen Verfahren verändert werden; der Beschluss im Nationalrat ist für den Herbst 2026 geplant, ein Datum steht nicht fest. Fest stehen zwei andere Termine: die Cooling-off-Phase soll am 1. Jänner 2027 beginnen — eine Übergangsfrist für Anbieter, die bisher ohne heimische Lizenz gearbeitet haben — und die Lotterienkonzession endet am 30. September 2027.
Die Vergabe der ersten Lizenzen ist frühestens ab 1. Oktober 2027 möglich, aus einem praktischen Grund: bis zum 30. September 2027 läuft die Lotterienkonzession, unter der win2day das einzige lizenzierte Online-Angebot stellt. Wer heute liest, dass ab sofort österreichische Lizenzen verfügbar seien, liest eine Werbeankündigung, keine Rechtslage.
Was das für Spieler bedeutet
Kurzfristig ändert sich nichts. Die 6 Einträge im Register arbeiten weiter mit ihren bestehenden Lizenzen — 2 unter maltesischer, 4 unter Curaçao-Aufsicht. Wer heute ein Konto eröffnet, eröffnet es unter denselben Bedingungen wie im Vorjahr.
Mittelfristig verändert sich die Auswahl spürbar. Ein Teil der heute erreichbaren Marken wird die Auflagen nicht erfüllen — sei es wegen offener Ansprüche, wegen der Spielerschutzvorgaben oder weil sich der österreichische Markt für sie unter Lizenz nicht mehr rechnet. Praktisch heißt das: die Betreiberebene wird wichtiger als der Markenname, weil eine Lizenzentscheidung ein ganzes Portfolio betrifft.
Für die Bewertung in diesem Register ändert sich damit auch das wichtigste Kriterium. Heute ist die Lizenz vor allem eine Zuständigkeitsangabe — sie sagt, welche Behörde bei einem Streitfall zuständig ist. Ab 2027 wird sie ein echtes Unterscheidungsmerkmal, weil es erstmals eine heimische Erlaubnis gibt, die manche haben und andere nicht.
Wie diese Seite gepflegt wird
Jeder Verfahrensschritt erscheint mit Datum, sobald er belegt ist. Prognosen stehen hier nicht: ob die Novelle in der vorliegenden Fassung beschlossen wird, ob die Vergabe 2027 tatsächlich startet und welche Anbieter eine Lizenz bekommen, ist offen. Der Zeitstrahl oben trennt sichtbar zwischen dem, was passiert ist, und dem, was aussteht.
Änderungen werden nicht stillschweigend überschrieben — sie erscheinen als eigene Meldung mit eigenem Datum im Newsbereich. Die Quellenangaben zu den hier genannten Fakten stehen dort bei den jeweiligen Meldungen.
Fragen zur Marktöffnung
Wann kann ich mit den ersten österreichischen Lizenzen rechnen?
Frühestens ab 1. Oktober 2027. Der Entwurf ist seit dem 29. Juni 2026 in Begutachtung, der Beschluss im Nationalrat ist für den Herbst 2026 geplant, und die Lotterienkonzession mit win2day endet am 30. September 2027.
Wie viele Lizenzen werden vergeben?
Der Entwurf nennt keine feste Zahl. Vorgesehen ist, dass jeder Anbieter eine Lizenz erhalten kann, der strenge Auflagen erfüllt — ein Systemwechsel gegenüber der heutigen Einzelkonzession, keine Aufstockung um einen bestimmten Betrag.
Ändert sich für mich als Spieler jetzt schon etwas?
Kurzfristig nein. Mittelfristig verändert sich die Liste der verfügbaren Anbieter, weil ein Teil der heutigen Marken die Auflagen nicht erfüllen wird oder will.
Was passiert mit Anbietern, die keine Lizenz bekommen?
Sie dürfen den Markt nicht mehr bedienen. Zusätzlich sollen Banken Konten von Anbietern auf einer Schwarzen Liste des Finanzministeriums sperren, und internationale Zahlungsdienstleister sollen sie nicht mehr bedienen — der Zugang wird also auch über den Geldfluss geschlossen.
Was ist mit meinem Guthaben bei einem solchen Anbieter?
Das hängt an dessen Lizenz. Unter maltesischer Aufsicht muss Spielerguthaben getrennt vom Betriebsvermögen geführt werden, bei anderen Jurisdiktionen nicht in gleicher Form. Der Vergleich steht unter Lizenzen.
Werden Rückforderungen dadurch einfacher oder schwerer?
Für die Vergangenheit ändert die Novelle nichts. Für die Zukunft entfällt die Grundlage, auf der die bisherige Rechtsprechung aufsetzt — nämlich das Fehlen einer heimischen Konzession. Der Überblick steht unter Geld zurück und ersetzt keine Rechtsberatung.